Günstiger Mini-Camper: Geht das?

Die Idee

Seit einigen Camperurlauben im Mietcamper war in mir der Gedanke gereift, einen eigenen Camper zu haben. Und zwar sollte das aus Kostengründen das Auto für alles sein - also für alle Alltagsfahrten und eben auch mal zum drinnen Schlafen. Viele Leute haben ja ein Alltagsauto und einen Camper, den sie sich nur für Urlaube aufheben. Aber das geht für mich finanziell nicht.

 

Die nächste Frage war: was für ein Auto? Auf Island war ich mal in einem Fiat Scudo unterwegs, in den Alpen mit einem Peugeot Traveller. Natürlich war es in dem Peugeot deutlich komfortabler als in dem Fiat, aber wenn man nicht Monate im Auto unterwegs sein möchte, dann reicht auch ein kleineres Auto. Und vor allem sind die ganzen Bus-Varianten dermaßen teuer, dass das für mich ausfiel. Welches Auto sollte es nun sein? Ich schaute nach kleinen Kastenwägen. Kastenwägen sind deutlich günstiger als die Kombi-Varianten. Da ich kein Auto wollte, das zum Stellantis-Konzern gehört, blieb nicht viel übrig: Renault, Nissan, Mercedes. Renault Kastenwägen gab es nur als Diesel oder Elektro, den Nissan als Benziner und als Elektro. Mercedes war schonmal zu teuer. Tja, natürlich hätte ich gerne ein E-Auto, aber die Reichweite von knapp 300 Kilometern und die deutlich höheren Anschaffungskosten schreckten mich ab. Deshalb wurde es letztlich ein gebrauchter Nissan Townstar Kastenwagen in Länge 2 (L1 ist viel zu kurz!) als Benziner.

 

Nissan Townstar Kastenwagen Innenansicht
Nissan Townstar Kastenwagen, Baujahr 2026

Das ist das gute Stück direkt nach dem Kauf. Netterweise war der Autohändler beim Ausbau der Trennwand behilflich, weshalb sie hier schon fehlt. Ansonsten sieht man: nix drin. Außer einer Bodenplatte und Sperrholzplatten. 

 

Entgegen den Empfehlungen von Youtube-Kanälen, Camper-Ausstattern, etc. habe ich beschlossen, diese Bodenplatte drinnen zu lassen. Und nein: man muss nicht den Boden dämmen. Man kann, wenn man möchte. Und natürlich kann man sich eine schönere Bodenplatte selbst einbauen oder einbauen lassen. Oder das Ganze mit einer PVC-Beschichtung oder Ähnlichem bekleben. Ist alles eine Frage des Preises oder des handwerklichen Geschicks.

erste Schritte

Tja, dann ging es los. Wie wird aus diesem Nissan ein kleiner einfacher und günstiger Minicamper? Denn: Ich hatte keine Ahnung, wie man sowas selbst macht. Ich binge-surfte also durch das Internet. Fand Fertigmodule, Campingboxen, Camper-Ausbauer vor Ort.

 

Ich fragte bei allen Ausbauern an, die im Umkreis von 100 Kilometern lagen. Ergebnis: Manche antworteten gar nicht, andere hatten sich auf nur ein Grundauto oder wenige Fahrzeuge spezialisiert. Manchmal hieß es: Wartezeit 6 bis 12 Monate bis zum ersten Kennenlerntermin (vielleicht sollte ich Camperausbauerin werden?!). Ein paar wenige Anbieter fand ich dann aber doch, die innerhalb weniger Wochen einen Termin anboten und prinzipiell auch einen Nissan umbauen würden. Die Vorführwägen sahen natürlich genial aus. Die Vorschläge, was man einbauen könnte, klangen traumhaft. Aber die Preise waren astronomisch. Ich fragte an für: Standheizung, Elektrik, Camperfenster, filzen. Und da waren wir schon bei 9000 bis 10.000 Euro!!! 

 

F*k. Das kann ich mir nicht leisten, dachte ich. 

 

Also googelte ich wieder. Ich glaube, ich habe alle Anbieter, die Fertigmodule für den Nissan Townstar in Europa anbieten, gefunden und mir die Module genau angeschaut. Aber alle hatten irgendwelche Haken. Vor allem wollte ich unbedingt, dass das Bett längs steht und die andere Hälfte frei bleibt, sodass man auch mal was transportieren kann oder ein Radl mitnehmen kann. Aber fast alle Campingboxen beschränken sich aufs Heck. Und da muss man draußen kochen und kommt von hinten nicht ins Auto. Aus vielen Nordreisen weiß ich: Draußen kochen ist nicht gut. Das muss drinnen gehen.

 

Also fiel die Variante für mich aus. Der erste große Frust kam auf. Hätte ich ein anderes Auto kaufen sollen? Doch keinen Kastenwagen? Alles hinschmeißen?

 

Das bett

Gefrustet suchte ich weiter nach Möglichkeiten. Und fand plötzlich gebrauchte Camperbetten auf kleinanzeigen.de. Und, was für ein Zufall, jemand verkaufte sein neu gebautes Bettgestell aus Holz in der Nähe. Obwohl es für einen VW-Bus gebaut wurde, passte es in meinen Nissan. Juhu! Ich habe ein Bett. Und man kann es sogar ausziehen, sodass auch zwei Menschen darauf liegen können. Wie cool! 

 

Ich war wieder Feuer und Flamme. Niemals aufgeben ist doch mein altes Motto. Und gerade bei diesem Ein-Frau-Projekt (ich hätte männliche Unterstützung, aber ich brauche das psychologisch, dass ich sowas alleine hinkriege!) muss ich doch hartnäckig bleiben.

 

Der Verkäufer empfahl mir sogar noch eine passende Matratze, die ich mir gleich bestellte. 

 

Mein Projekt konnte weitergehen.

 

Als Erstes kam mal ein Schlafsack ins Auto, eine Decke, eine Kiste im Stauraum unter dem Bett und als kleiner Gag - der "Happy Camper"-Teppich!

 

was muss alles in den Mini-camper?

Dann fragte ich mich: Okay, was muss alles rein? Was brauche ich? Worauf kann ich (erstmal) verzichten, worauf nicht? Und was kann ich davon selber machen oder kaufen, und wo brauche ich professionelle Hilfe? Klar war für mich: die Standheizung muss ordentlich eingebaut werden, eine zweite Batterie und einfache Elektrik ebenfalls. Von Elektrik lasse ich die Finger. Und natürlich ein Campingfenster, denn der Townstar hat hinten gar keine Fenster, leider auch nicht an den Hecktüren.

 

Das Googeln ging also wieder los. 

 

Ich kaufte alles, was ich unbedingt brauchte: Kühlschrank, Geschirr, Gaskocher, Lampe, Organizer, Klapptisch. Kostet auch alles einen Haufen Geld, aber immer noch billiger als wenn man es einbauen lassen würde. Mehr dazu mal, wenn ich Zeit habe.

 

Das Projekt Fenster, Standheizung und Elektrik gestaltete sich äußert schwierig. Letztlich fand ich einen total netten Camperausbauer in der Nähe, der mir ein Fenster, die Batterie, den Anschluss für Landstrom (braucht man für Campingplätze) und zwei weitere Anschlüsse einbaute. Leider, leider, leider baut er nur Autotherm Standheizungen ein und nochmal leider, leider, leider funktionieren die nur mit Diesel. Das war insgesamt ein Riesenproblem. Fast alle bauen die Heizungen nur in Dieselfahrzeuge ein!!! 

 

Der nächste Verzweiflungsmoment kam. Was, wenn ich keine Standheizung habe? Das ist für mich das absolut essenzielle Campertool! Weil man sich total den Arsch abfriert ohne Heizung! Das kenne ich von so vielen Reisen in die Kälte. Ich fand dann heraus, dass Webasto auch für Benziner funktioniert. Alle Werkstätten in der Nähe bauten aber nur eine Pseudo-Standheizung fürs Motor vorwärmen ein. Ich brauche aber eine Luftstandheizung für den Innenraum. Zum Glück war einer der Camperausbauer, der mir zunächst ein Komplettangebot gemacht hatte, dazu bereit, auch nur die Standheizung einzubauen - Webasto, für einen Benziner. Puh. Glück gehabt.

 

Leider, leider, leider...haben Fenster, Elektrik und Standheizung 6000 Euro gekostet!!! Günstiger ging es nicht. Und selbst konnte ich es nicht. 

 

Im Moment, Stand: Ende Juli, ist alles soweit drin. Und ich habe mich selbst ans Dämmen und Filzen gewagt. Denn das hätte je nach Anbieter nochmal um die 1500  bis 2000 Euro gekostet. Mehr dazu, wenn ich Zeit habe.