Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 24.12.25
Eigentlich wollte ich endlich mal wieder Lärchen fotografieren – und zwar golden verfärbte Lärchen. Vor vielen Jahren gelang mir das in den Dolomiten. Dieses Mal jedoch war ich Mitte Oktober zu früh dran. Die Nadelbäume waren noch grün, ein Hauch von Gelb und Orange war an manchen Bäumen zu
erkennen.
Ich war ein wenig enttäuscht. Dafür wurde ich mit tollen Stimmungen belohnt! Gleich am ersten Abend konnte ich die Drei Zinnen im Abendlicht aufnehmen, mit Spiegelung im Antorno-See, auch Lago
d'Antorno genannt. Etwas unbedarft fuhr ich mit dem Miet-Camper die kleine steile Serpentinenstraße zum See herauf. Dort angekommen, landete ich im Chaos. Ich hätte nicht gedacht, dass an einem
Wochentag abends Mitte Oktober so viele Urlauber und Camper aus aller Herren Länder dort waren. Mit viel Glück ergatterte ich einen Parkplatz, bei dem man aufpassen musste, dass man nicht unten
aufsetzt (wäre blöd mit einem gemieteten Campervan...).
Toller Morgen am Giau-Pass

Spät abends suchte ich nach einem Nachtplatz. Eigentlich wollte ich einen Campingplatz bei Cortina d'Ampezzo aufsuchen, aber dann stellte ich mich wie so viele andere an eine Parkeinbuchtung, an der kein Verbotsschild stand. Am nächsten Morgen schlängelte ich mich zum Passo Giau hinauf. Es gab ein super Morgenrot und erstes Licht auf den Gipfeln der Dolomiten. Was für ein Glück! Alleine war ich nicht. Mehrere Busse hielten an – Fotogruppen. Ich bin ehrlich, diese Fotogruppen nerven mich etwas. Sie nehmen mir das Bergerlebnis, das Fotoerlebnis. Aber andererseits kann ich die Leute ja verstehen. Sie wollen halt auch gute Bilder kriegen.
Am nächsten Tag ging es übers Pordoijoch zum Sellajoch und zum Grödnerjoch. Im Sommer muss dort wahnsinnig viel los sein, sonst gäbe es nicht überall Parkverbote. Nur 30 Minuten darf man irgendwo stehen, oder man muss auf die großen, kostenpflichtigen Parkplätze an den Pässen. Da ich aber nicht so gut gehen kann, und die guten Fotoplätze oft woanders sind, fuhr ich nur einmal morgens zum Sellajoch und mied die Gegend sonst. Mittags fotografierte ich einige Skianlagen. In den Dolomiten ist jeder Gipfel, jedes Bergplateau, mit Skiliften, Skistationen, Skihütten verbaut. Und sie bauen weiter. Das ist so verrückt – die Alpen, zwischen Idyll und Wahnsinn.
Kahlschläge am Passo Rolle

Weiter ging es durchs Fassatal zum Passo Rolle. Ich wollte unbedingt mal die Pale di San Martino sehen, diese wuchtigen Bergspitzen. Mittags bekam ich das beeindruckende Massiv zu Gesicht, abends bildete sich leider ein Gewitter, das auch nicht mehr wegging (Mitte Oktober!). Auf der Fahrt ins Tal kam ich an den größten „Clearcuts“, also Kahlschlägen vorbei, die ich den Alpen je gesehen habe. Das ganze Bergmassiv war abgeholzt. Geigenwald nennt sich das Gebiet, weil aus dem Holz Geigen gebaut werden. Aber so viele...?
Ich fand keinen Schlafplatz, geschweige denn einen Campingplatz. Also musste ich an einer stark befahrenen Straße an einem Waldstück stehen bleiben. Ich schlief
unruhig, einmal wegen der Holzlaster und außerdem, weil mir das als Frau alleine immer etwas Angst macht. Man weiß ja nie...(by the way: Warum können wir uns als Frauen nicht mal mitten in Europa
und im 21. Jahrhundert sicher fühlen?).
Der nächste Tag führte mich durchs Vinschgau in Richtung Schweiz. Überall fuhren die Bauern Äpfel ein. Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Apfel von einem Plantagenbaum gepflückt, biss hinein
und hatte danach blaue Lippen. Das vergesse ich nie. So viel Gift an den Äpfeln...
Zu den Lärchen im Engadin

Über den Ofenpass erreichte ich das Engadin und fuhr durch den Schweizer Nationalpark. Das ist sicher ein tolles Wanderparadies, wild und relativ unberührt. Leider bin ich zum Wandern noch zu schwach auf den Beinen. Weiter ging es Richtung St. Moritz. Und siehe da, das Engadin hatte mich nicht enttäuscht mit seinen Lärchen. Zwar waren noch nicht alle Bäume golden oder orange verfärbt, aber viele schon! Ich suchte nach einem Schlafplatz, vergebens. Schließlich bekam ich einen letzten Platz auf dem Campingplatz am Morteratsch-Gletscher, der eigentlich gar nicht als solcher ausgewiesen war. So voll war der Campingplatz!
Die nächsten zwei Tage erkundete ich die Gegend, immer auf der Suche nach Lärchen. Die schönsten Blicke und Motive gab es meiner Meinung nach im Morteratsch-Tal,
sicher auch im Val Roseg (aber da müsste man länger gehen), am Silvaplana und Silser See. Ein Schmuckstück war der Palpuogna-See unterhalb des Albulapasses. Die Straße vom Pass herunter zum See
kostete mich aber viele Nerven, da sie so eng war und so viele Autos und Camper entgegen kamen. Unten erhaschte ich den letzten Platz. Dann kraxelte ich um den ganzen See herum, was für mich noch
sehr anstrengend war (ich war 15 Jahre sehr krank), war komplett am Ende und bekam das beste Motiv fünf Minuten vom Auto entfernt. Ich hätte lediglich andersherum um den See gehen müssen.
Von da ging es über Martina – da musste ich unbedingt durch fahren!!! - nach Österreich und wieder nach Hause.
Der Camper
Ich hatte einen Camper bei Alpincamper gemietet und war insgesamt sehr zufrieden damit. Lediglich an einem Morgen funktionierte die Standheizung nicht, natürlich am kältesten Morgen. Was mich verunsicherte, waren die vielen Kontrollleuchten, die aufblinkten – von Reifendruck (lag an den frisch montierten Winterreifen) über Spurassistent (damit komme ich gar nicht klar) bis zu Bremsen. Ich habe ein altes Auto ohne Schnickschnack, die modernen Autos mit ihrer Elektronik überfordern mich. Schade war am Camper, dass es trotz Küchenzeile und viel Stauraum keinen kleinen Tisch zum Ausklappen gab. So musste ich mich entweder verdrehen beim Essen oder auf dem Schoß essen. Sonst war der Camper aber wie gesagt super.

































